Zeit ist Luxus

Zeit ist Luxus

In der Freizeit ist für stundenlange Aktivität kaum Spielraum vorhanden. Auch im Golfsport versucht man sich diesen Entwicklungen anzupassen.

In vielen Ländern wird seit geraumer Zeit daran gefeilt, dem Golfsport ein neues Image zu verleihen und althergebrachte Traditionen zu überdenken. Denn die größte Herausforderung unserer Gesellschaft ist heute Zeitmangel. Die Art und Weise, wie wir unsere Freizeit verbringen, hat sich dementsprechend in den letzten Jahren radikal verändert. Der Golfsport ist da keine Ausnahme. Auch Golfer haben immer weniger Zeit und auch Lust, sich stundenlang auf dem Platz herumzuschlagen. Große Aufmerksamkeit widmet man dem Thema nicht zuletzt im deutschsprachigen Raum.

Ruf nach Alternativen

Denn für immer mehr Menschen ist Zeit der neue Luxus. Daher benötigen Golfer neue Formate, um ihre Leidenschaft für den Sport ausleben zu können. Zwar werden 18-Loch-Partien immer die Klassiker sein, doch gerade im Alltag ist der Ruf nach Alternativen immer lauter hörbar. Das größte Getöse verursacht dabei 9-Loch-Golf. Dabei steht außer Zweifel, dass der Weg, der zu Beginn durchaus auf Ressentiments gestoßen ist, sich nicht nur als sehr erfolgreich, sondern auch als revolutionär bewiesen hat: 9-Loch-Golf hat dem Sport ein moderneres, cooleres Image verliehen. Aufseiten der Golfer und der Golfclubs herrscht ein Umdenken – Tendenz steigend. Die neue Art, zu golfen, wird so gut angenommen, dass sie irgendwann von keinem mehr zu ignorieren ist.

Expertentipp

Auch der Experte ist bereits überzeugt. „In Zeiten, in denen die freien Minuten für das Hobby immer weniger werden, steigt die Nachfrage nach 9-Loch-Golfrunden. Eine 9-Loch-Runde dauert ca. zwei Stunden und ist völlig unabhängig vom Gesamtformat der Golfanlage (18/27/36 Löcher). Dies entspricht also genau dem Zeitgeist. Darüber hinaus sind 9-Loch-Golfrunden heute auch vorgabenwirksam und gerade deshalb erfreuen sich auch 9-Loch-Turniere großer Beliebtheit. Interessant zu beobachten ist, dass sich auch die Angebotsseite in den letzten Jahren diesem Trend angepasst hat. So entstanden neue, meist stadtnahe 9-Loch-Golfanlagen oder aus bestehenden 18-Loch-Golfanlagen durch Erweiterungen weitere neun Spielbahnen. Und natürlich bietet der Markt heute auch 9-Loch-Mitgliedschaften an. Neben den traditionellen 18-Loch-Golfanlagen hat sich also in den letzten Jahren dieses Zusatzangebot erfolgreich weiterentwickelt und etabliert“, stellt Thomas Hasak, Geschäftsführer Bundesverband Golfanlagen e.V., gegenüber der Golf Week fest.

Im Kommen

Und viele Märkte öffnen sich verstärkt dem Thema – erst recht, seitdem auch in der traditionellen Golfnation England 9-Loch-Golf stark im Kommen ist. Sogar der altehrwürdige R&A, der The Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews, hat eine eigene 9-Loch-Serie, mit der sich die Autoritäten im Golfsport zart an das Thema herangewagt haben. Und auch die USGA hat, angestachelt durch einen Boom an 9-Loch-Plätzen, die Initiative „Play Nine“ ins Leben gerufen.

Im deutschsprachigen Raum ist man, nicht zuletzt durch den Einstieg von Mercedes-Benz als Titelsponsor des After Work Golf Cups, der sich in der Zwischenzeit zur größten Amateurgolf-Turnierserie in Deutschland mit etwa 3.200 Turnieren entwickelt hat, in diesem Bereich bereits bestens aufgestellt.

Zukunftsorientiert

„Mercedes-Benz denkt zukunftsorientiert und bietet mit dem AWGC eine Plattform, die zu den Bedürfnissen und dem Lebensstil von Golfern passt. 9-Loch-Golf ist deutlich zeitsparender und lässt sich so besser mit Arbeit und Familie vereinbaren“, gibt Jan Weber, International Sports Communications Mercedes-Benz, zu verstehen. Das Format spreche vor allem jüngere und berufstätige Golfer an, die den Sport sowohl leistungsorientiert als auch unkompliziert ausüben möchten. „Es entspricht den aktuellen Anforderungen der Spieler und macht den Sport zukunftsfähig“, so Weber weiter. Unter Golfern hat 9-Loch-Golf also ein modernes und cooles Image und hat daher ein stetiges Wachstum erfahren. Die teilnehmenden Golfclubs tragen aber auch einen großen Teil dazu bei. „Hierbei entscheidet jeder Club eigenständig, ob er an der Serie teilnehmen möchte oder nicht. In Deutschland tragen in der Saison rund 300 Golfclubs und damit knapp die Hälfte aller Clubs die Turnierserie aus“, führt Weber aus.

Internationalisierung

Über die Landesgrenzen hinweg unterstützt auch die R&A die Internationalisierung des Mercedes-Benz After Work Golf Cups. „Der Mercedes-Benz After Work Golf Cup ist ein bahnbrechendes Format, damit Golfer den Sport leistungsorientiert, aber unkompliziert ausüben können“, sagt CEO Martin Slumbers. „9‑Loch-Golf erfreut sich einer weltweit zunehmenden Beliebtheit unter den Spielern. Deshalb unterstützen wir Mercedes‑Benz mit Freude dabei, Golfern die Gelegenheit zu geben, dieses kürzere Format in Gesellschaft und kompetitiv zu genießen.“ Auf internationaler Ebene wird der Mercedes-Benz After Work Golf Cup im Jahr 2018 somit erstmalig auch in Argentinien, Südafrika und Schweden gespielt werden. Weitere Länder sollen 2019 folgen.

Kurz und bündig

Eine weitere Alternative zu 18-Loch-Turnieren ist die Amateurserie Short Track Matchplay. Die Idee dazu wurde eher zufällig direkt auf dem Platz geboren und folgt einer simplen Logik: schnell und mit größtmöglicher Spannung bis zum Schluss. Die Gründer Marcel Haremza und Christoph Günther entwickelten ein System, das genau das beherzigt. Den Grundstein bildet ein 9-Loch-Matchplay-Format, wobei kein Spieler mehr als zwei Löcher vorne bzw. zurückliegen kann. STM-Play versteht sich dabei als eine moderne und attraktive Neuinterpretation des Lochwettspiels und ist die zeitgemäße Antwort für alle, die eine klassische 18-Loch-Runde als zu zeitintensiv und langatmig empfinden. Der Plan ist es, eine moderne, hochwertige Turnierserie zu etablieren, bei der man nach seinem Gusto und mit Freunden Zeit verbringt. Denn ein entscheidender Vorteil ist: Beim Short Track Matchplay sucht man sich seine Mitspieler aus und spielt innerhalb von ein paar Monaten die Matches im Rahmen einer entspannten 9-Loch-Runde.

„Mein persönliches Ziel ist, dass in ein paar Jahren ein Prozent der deutschen Golfer Short Track Matchplay spielen oder zumindest davon gehört haben. Bei 600.000 Golfern ein ambitioniertes, aber kein unrealistisches Vorhaben“, gibt Haremza gegenüber der Golf Week die Marschroute vor.

Hoher Zuspruch

Eine kontinuierliche Weiterentwicklung hat auch die 9-Loch-Turnierserie The Challenge seit der Gründung angetrieben. 2015 wurde sie als regionales Projekt im deutsch-französischen Grenzgebiet auf vier Golfanlagen mit ca. 40 Turnieren unter dem Namen Baden-Elsass-Golfcup gestartet. In der Saison 2018 werden den Spielern bereits rund 1400 Turniere in Österreich und Deutschland angeboten. Ausgetragen werden diese Turniere (zirka 25.000 Turnierrunden) auf rund 160 Partnergolfanlagen.

„Wir erfahren gerade durch unsere Spieler ein hohes Maß an Zustimmung und Zuspruch. Gerade durch unsere innovativen Sonderwertungen wie z.B. das Race to Florida sorgen wir für viel Spannung im 9-Loch-Golf-Segment“, stellt Geschäftsführer Axel Steffen klar. Die Kernzielgruppe ist ebenfalls berufstätig. Es nehmen aber mehr Männer als Frauen an der Turnierserie teil. „Die in diesem Jahr neu eingeführte Ladies-Only-Sonderwertung erfreut sich starker Beliebtheit und wird dafür sorgen, dass sich diese Quote zugunsten der weiblichen Teilnehmer verändert“, ist sich Steffen sicher.

Besonderheit

Die Besonderheit von The Challenge liegt sicherlich im Ranglistensystem, welches es in dieser Form im Amateursport nicht noch einmal gibt. „Im Kern geht es darum, dass wir die Turnierergebnisse unterschiedlicher Golfanlagen aus Österreich und Deutschland in unserem System vereinheitlichen und somit vergleichbar machen. Die besten Spieler der einzelnen Golfanlagen treten so in fünf Wertungsklassen gegeneinander an und wir ermitteln durch unser System in dieser Saison rund 80 Finalisten, die wir zu unseren Finalreisen einladen“, so Steffen. Das einfache Credo lautet: „Die Spieler qualifizieren sich über die Clubranglisten in der jeweiligen Wertungsgruppe direkt und ganz einfach zur Teilnahme an unserer Finalreise.“

Mehr Aufklärungsbedarf herrschte bei den Golfclubs: „Bedingt durch den Umstand, dass wir eine Turnierserie über sieben Monate ausspielen, und die Tatsache, dass aus Gründen des Datenschutzes wir die einzelnen Turnierergebnisse aktiv von unseren Partnergolfanlagen übertragen bekommen müssen, ist ein Erklärungsaufwand bei Golfanlagen erforderlich und somit auch ein wenig Überzeugungsarbeit für dieses Format notwendig.“

Spaß-Faktor

Attraktive Formate die man ins Spiel bringen kann, gibt es aber auch abseits des Turniergolfs – damit Golf in der modernen Freizeitkultur nicht zu einem komplett reliktischen Spiel verkommt. Beispielsweise knackige Kurzplätze oder zusätzliche attraktive Spielangebote mit weniger Zeitaufwand. Denn wie heißt es so treffend: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit! Das Zauberwort lautet dabei Hybridplatz oder „Reversible Course“ (ein Platz, der sich vorwärts und rückwärts bespielen lässt). Im Vordergrund steht dabei der Spaßfaktor und die kürzere Rundenzeit. Auch Tiger Woods machte sich bei seinem Designprojekt im mexikanischen Cabo San Lucas bereits Gedanken über Plätze der Zukunft. Der 12-Loch-Platz namens „The Oasis“ lässt sich in nur einer Stunde per Pitch&Putt spielen, Alternativ kann der Platz aber auch als 3-Loch-Platz mit einem Par 3, einem Par 4 und einem Par 5 ebenso flott bewältigt werden. 6-, 9- oder 12-Loch-Kurse mit unterschiedlichen Spielmöglichkeiten und entsprechendem Kick werden aber auch hierzulande immer mehr und kaum mehr als Stiefkind der Anlagen bezeichnet. Allerdings bleibt es natürlich eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel – aber in die Zukunft muss halt auch investiert werden.


Bildnachweis: Thomas Pisan.

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