Tour ohne Stars

Tour ohne Stars

Für viele Topspieler hat die PGA Tour Vorrang vor der European Tour. Geld und Punkte sind der Grund.

Böse Zungen behaupten, die European Tour sollte mittlerweile eigentlich eher World Tour heißen, denn von November bis Mai finden die Turniere mehr oder weniger rund um den Globus statt – nur nicht in Europa. Und natürlich auch in Nordamerika nicht, wo ja bekanntermaßen das US-amerikanische Pendant PGA Tour auf dem Programm steht. Von insgesamt 42 Wettkämpfen der European Tour pro Saison gehen nicht einmal die Hälfte, nämlich 20, in Europa über die Bühne – und heuer kein einziger in Österreich. Zwar sollte laut ursprünglichem Turnierkalender von 8. bis 11. August im Rahmen der „Shot Clock Challenge“ im Diamond Country Club in Atzenbrugg abgeschlagen werden, doch leider scheiterte das Spektakel dieses Jahr an der Finanzierung.

„Wir haben zusammen mit der European Tour dem Turnier im Vorjahr durch die Einführung der ,Shot Clock‘ ein neues Format verliehen, um damit auch neue Impulse zu setzen“, blickt Ali Al-Khaffaf, der Geschäftsführer des Veranstalters Golf Open Event GmbH, zurück und versichert: „Wir werden alles unternehmen, um das Turnier 2020 wieder austragen zu können. Dazu werden wir gemeinsam mit der European Tour sowohl in Österreich als auch auf internationaler Ebene vor allem die Suche nach einem Hauptsponsor intensiv vorantreiben.“

Die Porsche European Open haben zwar einen Sponsor, aber dafür Probleme bei der Suche nach einem geeigneten Veranstalter. Indes wurde das Turnier, das traditionell auf der Anlage der Green Eagle Golf Courses in Winsen (Luhe) bei Hamburg stattfindet, nach hinten verschoben, sodass sich die deutschen Golffans bis Herbst 2019 (5. bis 8. September) gedulden müssen. Der Ticketverkauf lief bis Redaktionsschluss nur über Ticketmaster und Eventim. Immerhin gibt es ja noch einen zweiten Termin in Deutschland, die BMW International Open – von 4. bis 7. Juli im Golfclub München Eichenried. Von 29. August bis 1. September gastiert die European Tour im schweizerischen Crans Montana, wenn die Omega European Masters im Golfclub Crans-sur-Sierre ausgefochten werden.

Star-Schwund

Nachdem die PGA Tour letztes Jahr den Turnierplan für diese Saison geändert und unter anderem die Players Championship und die PGA Championship vorverlegt hat, die ab 2019 im März und im Mai stattfinden, kam es vor allem von Februar bis Juni zu Terminüberschneidungen mit der European Tour. Bereits zuvor haben einige europäische Top-Golfer ihren Wohnsitz in die USA verlegt, um die Turniere der PGA Tour spielen zu können. Zu ihnen zählen etwa Tommy Fleetwood (England), Jon Rahm (Spanien), Sergio García (Spanien) sowie Ian Poulter (England). Rory McIlroy, PGA Player of the Year (2012), PGA Tour Player of the Year (2012, 2014) sowie European Tour Golfer of the Year (2012, 2014, 2015), machte Anfang des Jahres im The Telegraph klar, dass die European Tour für ihn heuer erst im Juni oder Juli beginnen werde.

„Warum sollte man auf der European Tour spielen?“, wird er dort zitiert. Auch Francesco Molinari, Champion Golfer of the Year (2018), Sieger des Race to Dubai und European Tour Golfer of the Year, lebt schon seit einiger Zeit in den USA und hat erst kürzlich der Associated Press gegenüber angekündigt, 2019 fast nur noch auf der PGA Tour zu spielen. Und es könnten noch weitere Stars folgen.

Preisgeld und Punkte

Wer mag es ihnen verdenken? Schließlich kann die European Tour in puncto Preisgeld nicht mit der PGA Tour mithalten. Die Top-Turniere in den USA bieten Preisgelder zwischen sieben und fast 13 Mio. US-Dollar. Bei mehr als 20 Bewerben geht es um über sieben Millionen US-Dollar. Auf der European Tour bewegt sich das Preisgeld vor allem im Bereich ein bis zwei Millionen Euro. Das Problem daran ist, dass die Höhe des Preisgeldes maßgeblich dafür verantwortlich ist, ob die Stars kommen oder eben nicht. Die einfache Formel lautet: Je mehr Preisgeld, desto mehr gute Spieler – und natürlich auch umgekehrt. Und: Je besser das Teilnehmerfeld, desto mehr Punkte gibt es auch – daher haben die USA auch in dieser Hinsicht die Nase vorn. Mit der Rolex Series, bei der pro Turnier rund sieben Millionen Euro ausgespielt werden, hält die European Tour hier einigermaßen dagegen.

Golf-Image in Europa

Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass der Golfsport in den Vereinigten Staaten einen völlig anderen Stellenwert hat als in Europa. Die PGA Tour ist daher auch seit jeher in allen möglichen Social Networks sehr aktiv und buhlt dort um die Fans, die online rund um die Uhr mit allen möglichen Informationen zum Thema Golf respektive über ihre Golfidole versorgt werden. Das Potenzial dieser Kommunikationskanäle wurde von der European Tour doch eher spät erkannt und daher auch stiefmütterlich behandelt. Während beispielsweise die Facebook-Seite der PGA Tour rund 2,3 Mio. Likes ausweist, sind es bei der European Tour knapp 400.000. Auf Twitter folgen der PGA Tour 2,19 Mio. Fans; die European Tour hat dort etwas mehr als 360.000 Follower, auf Instagram verhält es sich ähnlich (Stand 6. April 2019). In Europa ist eben der Fußball König; und in Österreich das Skifahren. Das spiegelt sich naturgemäß auch in der Medien-Coverage wider.

Sprungbrett

Der Nordire McIlroy, der mit seiner Familie in den USA lebt, hat die European Tour als Sprungbrett bezeichnet. Kein Wunder, hat er sich doch auf der European Tour einen internationalen Namen erspielt. Daher möchte er diese auch in Zukunft unterstützen, auch wenn sein Fokus nun vorwiegend auf der PGA Tour liegt.
In Hamburg machen sich die Verantwortlichen der Porsche European Open vor allem durch die Verschiebung in den Herbst Hoffnungen, dass sich auch die internationalen Stars im Teilnehmerfeld finden werden. Wir drücken die Daumen.


Bildnachweis: Gepa Pictures.

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