Physik des Minimalismus

Physik des Minimalismus

Nicht erst seit dem Ryder-Cup-Ritterschlag für den unkonventionellen Posterboy Bryson DeChambeau ist der „Single Plane Swing“ ein Begriff.

Jahrhundertgolfer wie Ben Hogan, Sam Snead und der außergewöhnliche Exzentriker Moe Norman, aber eben auch aktuelle Stars wie Bryson DeChambeau und Chad Campbell gelten als Single Plane Swinger. Bei dieser Schwungtechnik wird der Schläger auf einer flacheren Ebene als üblich um den Körper geschwungen, Arme und Schlägerschaft bilden eine Ebene und die Schwungebene orientiert sich an dem Winkel, den der Schaft mit dem Boden bildet. Der Winkel in der Ansprechposition und der Winkel im Treffmoment sind, anders als bei den meisten Schwüngen, nahezu gleich, der Golfer steht dabei nicht über, sondern neben dem Ball. Beim One- oder Single-Plane-Schwung entsteht die meiste Power aus der Körperrotation, die vertikalen Bewegungen des Körpers werden vermieden und der gesamte Schwungablauf funktioniert auf einer Ebene. Man nennt diesen Schwungstil auch „Set and Forget Swing“, weil man auf eine exakte Ansprechposition und saubere Körperbewegung achten muss, im Durchschwung aber alles laufen lässt und Arme und Hände nicht weiter einsetzt. Daher gilt der Schwung auf einer Ebene als einfacher und einfacher replizierbar.

Des Professors Bibel

Die Anhänger dieser Technik argumentieren, dass diese Simplifizierung rein den Gesetzen der Geometrie und Physik folgt. Das wissenschaftliche Standardwerk dazu, „The Golfing Machine“ von 1971, ist auch Bryson DeChambeaus Trainingsbibel. Autor Homer Kelley unterteilt darin den Schwung in 24 Komponenten, drei Zonen, zwölf Sektionen und drei Funktionen. Ohne jegliche weitere Theorien und Meinungen wird der Golfschwung streng wissenschaftlich beleuchtet. Ganz ähnlich erklärte auch Moe Norman Zeit seines Lebens seine außergewöhnliche Schwungtechnik. Der als autistisch geltende Golfer war tatsächlich in der Lage, seine Schläge in höchster Präzision zu wiederholen.

Kommen und Gehen

Die Suche nach dem idealen Schwungpfad und der idealen Schwungebene ist also kein neues Thema, Schwungtheorien kommen und gehen regelmäßig. 2005 erschien das Buch „The Plain Truth for Golfers“ von Jim Hardy, der sich als bekannter Teaching Pro vieler erfolgreicher Golfer mit den verschiedenen Schwüngen auseinandersetzte und darin die Unterschiede zwischen dem One-Plane- und dem Two-Plane-Schwung mit den zugehörigen Trainingsschwerpunkten erklärte. Nach anfänglicher Euphorie geriet jedoch auch dieses Buch wieder in Vergessenheit.

Dennoch scheint sich die Auseinandersetzung mit der Minimalisierung des Golfschwunges auf verschiedenen Gebieten immer wieder durchzusetzen. Die Idee, eine konstante, leicht wiederholbare Bewegung zu generieren, die Fehler minimiert, ist ja auch denkbar einleuchtend. Das ist sicher auch einer der Gründe, warum Cobra Golf in den letzten beiden Jahren große Erfolge mit den King F7 One-Length-Schlägern erzielt. Eine Schlägerlänge, die sich durch das gesamte Set zieht, ein Setup, ein Schwung und somit große Konstanz ist das Rezept der Golfschläger, die in Kooperation mit Bryson DeChambeau entwickelt wurden und mit ihm selbst als marketingkompatibles Testimonial dafür auch angemessen erfolgreich sind. Die Idee ist nicht ganz neu. Als Golfschläger noch Holzschäfte hatten, waren die Längenunterschiede marginal und 1989 brachte Tommy Armour Golf ein Schlägerset nach ähnlichem Konzept, EQL, auf den Markt. Das setzte sich allerdings nicht sonderlich gut durch, aktuell stellt sich das Thema jedoch anders dar, wahrscheinlich auch weil geballte Marketingpower, ein feines Aushängeschild und ein neues technologisches Design dahinterstehen.

Persönliche Alternative

Die Reduktion des komplizierten Golfschwunges, der uns regelmäßig verzweifeln lässt, und die Hinwendung zu einfachen physikalischen oder geometrischen Regeln, egal ob in der Bewegung oder der Ausstattung, ist eine überaus nachvollziehbare Sehnsucht. Ob der Single-Plane-Schwung oder auch One-Length-Eisen dabei eine gute persönliche Alternative sind, lässt sich am besten mit dem Pro der Wahl diskutieren.

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