Irisches Dreamteam

Irisches Dreamteam

Shane Lowry behält bei der Open Championship dank Caddie Bo Martin die Nerven und beschert den Fans ein irisches Golfmärchen.

Ein bisschen ungewohnt war es schon, sich mit der The Open Championship das letzte Major dieses Jahres anzusehen, war dies seit langer Zeit doch der PGA Championship vorbehalten. Doch als im nordirischen Portrush dann endlich die besten Spieler der Welt auf den Platz losgelassen wurden, um um den Claret Jug zu spielen, war sie da, die ganz spezielle Major-Stimmung. Und wem geht da nicht das Herz auf, wenn gestandene Profis bei böigem Wind und dem ein oder anderen Schauer mal richtig Hand anlegen müssen?

Debakel für McILROY

An den ersten Turniertagen auf dem Dunluce Links des Royal Portrush Golf Clubs hatten die Fans allerdings mit einem Schock zu kämpfen. Bei bestem äußeren Bedingungen war Turnierfavorit und Lokalmatador Rory McIlroy im wahrsten Sinne des Wortes unterirdisch in „seine“ Open gestartet.

Mit einem Eisen vom Tee schlug Rory seinen ersten Ball des Turniers gleich ins Aus, ein Schneemann (8) auf dem Par 4 war die Folge. Am Ende standen 78 Schläge beim Superstar zu Buche, nicht nur er war sichtlich geschockt. Natürlich konnte man nach so einem schwarzen Tag auf einen Antwort des vierfachen Major-Siegers am Freitag hoffen, doch 65 Schläge reichten leider nicht aus, um das Wochenende zu erreichen. Um genau einen Zähler scheiterte Rory McIlroy nach heroischer Aufholjagd am Cut – zum Heulen.

Traumduo

Doch zum Glück für die irischen Fans (Nordiren und Iren zogen in Sachen Golf ganz klar an einem Strang) gab es da ein Paar, dem die Herzen Tag um Tag mehr zuzufliegen schienen – Shane Lowry und sein Caddie Bo Martin. Wie es sich gehört, mit Bart, lieferten der irische Profi und sein nordirischer Helfer über vier Tage lang eine absolute Topleis­tung ab. Bereits am Donnerstag lag Lowry nach 67 Schlägen auf dem zweiten Rang. Eine erneute 67 brachte ihm die geteilte Führung mit dem Amerikaner J.B. Holmes ein. Die Runde des Turniers gelang Lowry dann am Samstag, als er mit nur 63 Schlägen einen neuen Platzrekord auf dem umgebauten Kurs aufstellte.

Frischer wind

„Seit Bo bei mir im letzten September an der Tasche arbeitet, läuft es wieder bei mir. Er macht einen fantastischen Job und hat mir neue Lebensgeister eingehaucht“, zollte Lowry seinem Caddie große Anerkennung, die Führung bei einem Major nach drei Tagen war der beste Beweis dafür. Mit vier Schlägen Vorsprung auf den supersympathischen Tommy Fleetweed ging es für Lowry am Sonntag zur letzten Prüfung. Angefeuert von den frenetischen Fans, ließ sich Lowry im Gegensatz zu den U.S. Open 2016, die er ebenfalls mit vier Schlägen vor dem letzten Tag anführte, die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

Durchgezogen

„Auch wenn es nicht so ausgesehen haben mag, ich war unglaublich nervös“, so der Ire, dem bei zum Teil richtigem „Sauwetter“ eine solide 72er-Schlussrunde reichte, um mit sechs Schlägen Vorsprung auf Fleetwood zu gewinnen. „Bo hat mir unglaublich geholfen. Er hat auf mich eingeredet und blieb dabei ganz ruhig. Ich habe ihm gesagt, dass ich es auf keinen Fall noch einmal vergeigen will. Am liebsten wären mir vier, fünf Schläge Vorsprung auf der 18 gewesen.“ so Lowry weiter.

Strahlemann

Als er dann tatsächlich mit einem satten Polster und einem guten Abschlag auf der 18 die Bühne zum größten Erfolg seiner Karriere betrat, kannte der Jubel kein Halten mehr. Die Fans strömten in Scharen hinter ihrem „Helden“ auf die Bahn und begannen sich schon einmal einzusingen. Die Szenen erinnerten ein wenig an den Ryder Cup – was für ein tolles Spektakel.

Wenig später war der erste Major-Titel für Shane Lowry unter Dach und Fach, der sich in der Folge jede Menge Schulterklopfer und Hugs seiner Freunde und Landsleute abholte. Padraig Harrington, der den Cut genau wie McIlroy verpasst hatte, gehörte ebenso zu den Gratulanten wie Lokalmatador Graeme McDowell (T57).

„Ich kann das alles im Moment noch gar nicht glauben“, fasste der Champion Golfer of the Year seinen Triumph wenig später mehrfach zusammen und ließ sich bis spät in die Nacht feiern.  Und das auch völlig zu Recht: Schon lange gab es bei einer Open Championship eine dermaßen eindrucksvolle Vorstellung über alle vier Tage.  Well done, Shane!

Wiesl solide

Aus deutschsprachiger Sicht verlief das letzte Major des Jahres mit Höhen und Tiefen. Während Bernd Wiesberger nach all dem Feuerwerk in den letzten Wochen mit dem geteilten 32. Rang eine solide Vorstellung ablieferte, sah es aus deutscher Sicht in Sachen Profigolf ganz, ganz bitter aus. Nicht ein einziger deutscher Profi hatte sich für die Open qualifizieren können, das ist traurig.

Reingeschnuppert

Einen Hoffnungsschimmer gab es aus deutscher Sicht aber dennoch in Person von Matthias Schmid. Der Amateur-Europameister konnte dank seines Titels etwas Profigolfluft schnuppern und tat dies in vollen Zügen.  Nach  Runden von 76 und 71 Schlägen sollte es allerdings für den Cut nicht ganz reichen. Selbiges galt übrigens auch für alle anderen teilnehmenden Amateure. Kein Wunder also, dass einem die Siegerehrung der Open Championship dieses Mal etwas kürzer vorkam.


Bildnachweis: Getty Images.

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