Influencer im Golf

Influencer im Golf

Nicht nur Stars, auch immer mehr Fans treten als Blogger und Influencer auf. Neo-Blogger Hubertus tho Rahde schildert, worauf es ihm ankommt.

Social Media und Sport passen sehr gut zusammen. Die Fans informieren sich rund um die Uhr und überall mittels Smartphones und Tablets über ihre Lieblingsathleten und das Geschehen in allen möglichen Sportarten. Auch die Sportidole selbst haben längst das Potenzial von Instagram, Facebook, Twitter und Co erkannt und versammeln ein Millionenpublikum auf ihren Kanälen. Einer der absoluten Spitzenreiter ist mit Sicherheit ein gewisser Cristiano Ronaldo mit 122,4 Mio. Usern, denen gefällt, was er beispielsweise auf Facebook so postet. Auf der Facebook-Seite von Lionel Messi sind es immerhin noch rund 89,5 Mio. Ronaldo folgen auch auf Twitter 77,3 Mio. Menschen; Lionel Messi ist auf diesem Kanal anscheinend nicht so beliebt und hat dort lediglich knapp 300.000 Follower.

Golfstars im Web

Unter den Profigolfern sticht vor allem Tiger Woods mit etwas mehr als 3 Mio. Likes auf Facebook hervor. Rory McIlroy versammelt ebendort rund 1,3 Mio. Fans auf seiner Seite. Auch Twitter wird von den Stars sehr gern genutzt. Während sich dort Tiger Woods über knapp 6,5 Mio. Follower freuen kann, sind es bei Rory McIlroy knapp über 3 Mio. Paradiesvogel Rickie Fowler schaft es auf beiden Kanälen, über 1,5 Millionen Follower zu versammeln. Und dies sind nur einige Beispiele, die klar aufzeigen, dass sich die Kommunikation mit den Fans vor allem in den Social Networks abspielt.

Grundsätzlich kann heute aber jeder mehr oder weniger auf Knopfdruck zum Medium mutieren und seinen eigenen Content produzieren. Die Influencer und Blogger haben sich in den Meinungsblidungsprozess eingeklinkt – in allen nur erdenklichen Themenbereichen. Natürlich auch im Golfsport. Mittlerweile existieren unzählige Blogs, Seiten auf Facebook, Instagram und Co, sodass es gar nicht so einfach ist, den Überblick zu bewahren. Seit etwa acht Monaten zählt auch der langjährige Golf-Journalist Hubertus tho Rahde, der seit nunmehr 15 Jahren für die Golf Week schreibt, zu den Golf-Bloggern im deutschsprachigen Raum. Mit seinem Blog namens www.readmygolf.com hat er erst kürzlich die 10.000-Follower-Marke überschritten. „Golf ist einfach cool“, so der Münchner, der außerdem seit fast 30 Jahren selbst die Golfschläger schwingt.

Interview

Im Gespräch mit Golf Week verrät er uns, was ihn dazu bewogen hat, ein Blog zu gründen und worauf er bei seiner Arbeit als Influencer besonderen Wert legt.

Golf Week: Lieber Hubertus, wie kommt man eigentlich auf die Idee, ein eigenes Blog zu machen?
Hubertus tho Rahde: Naja, ich bin ja schon eine ganze Weile in der Golfwelt unterwegs und habe eine Menge interessante Geschichten erlebt, mich aber oft gefragt, ob ich diese jemals zu Papier bringen werde. Die Idee, eine eigene Seite zu machen, mit dem ganzen Social-Media-Bohei, lag bei mir schon lange in der Schublade. Und gerade im letzten Jahr hat es mich einfach gejuckt und ehrlich gesagt auch sehr geärgert, dass Golf bei uns in Deutschland ein so schlechtes Image hat. Dem will ich unbedingt entgegensteuern und mit meinem Blog zeigen, wie cool dieser Sport eigentlich ist.

GW: Wie in anderen Sportarten gibt es mittlerweile auch im Golf schon jede Menge Gruppen, Foren und Social-Media-Kanäle. Mit dir kommt einer hinzu. Da stellt man sich schon die Frage, was genau zeichnet dich aus?
HtR: (lacht) Die Frage ist absolut okay und ich habe mir im Vorfeld natürlich auch Gedanken gemacht. Braucht die Welt etwas wie „readmygolf“ überhaupt? Aber ich liebe diesen Sport einfach und gebe immer gerne meinen Senf dazu. Ende der 1980er-Jahre ging es bei mir mit Golf los und in Sachen Jugendtraining wurde damals noch nicht viel geboten. Dennoch, zu den drei bis vier Leuten, mit denen ich damals durch Dick und Dünn gegangen bin, habe ich immer noch Kontakt. Manche wie Mark, Fabi und ich haben den Golfsport ja sogar zu ihrem Beruf gemacht, andere nicht. Der kleine Bruder von unserem besten Mädchen damals ist übrigens der Stephan Jäger von der PGA Tour. Ich könnte meinen Blog bis 2022 allein mit den unglaublichen Geschichten füllen, die wir erlebt haben und wäre dann noch immer nicht fertig. Worauf ich hinaus will, ist: Golf ist ein Erlebnis. Ich versuche meine Geschichten auf readmygolf so zu schreiben, wie ich sie empfinde. Kein PR-Geblubbber, sondern etwas aus dem Leben, auch mal mit einem Augenzwinkern versehen.

GW: Das klingt so ein bisschen wie ein Tagebuch?
HtR: Nein, ich arbeite nicht meine Jungendsünden auf, ich möchte die Golfer vielmehr über das aktuelle Tagesgeschehen informieren. Da gehört für mich als Golffan vor allem der Profisport mit Backgroundinfos dazu. Aber auch Reisen und beispielsweise Mode-Trends oder auch Gimmicks. Wichtig ist für mich, dass ich meine eigene Meinung zu all diesen Themen abgeben kann. Die darf auch durchaus polarisierend sein oder etwas Gossip enthalten.

GW: Wie schaut es bei dir denn zum Beispiel mit Equipment- und Trainingstipps aus?
HtR: Also das ist nicht gerade mein Steckenpferd, aber da gibt es ein paar richtig gute Influencer bzw. Blogger, die den Markt bereichern. Gerade in England sehe ich Rick Shiels, Peter Finch ganz weit vorne, deren Produkttests unglaublich viele Leute erreichen. Andy Proudman und Pierce Ward geben in Sachen Training mit meandmygolf absolut den Ton an.

GW: Gibt es so etwas im deutschsprachigen Raum nicht?
HtR: Also bei den oben genannten Bloggern stecken ganze Fernsehteams dahinter. Das ist hochwertig und professionell produzierter Content. Ich bin aber auch hier schon fündig geworden. Tobi von www.tobisgolfblog.de ist für mich ein gutes Beispiel. Er macht wirklich tolle Produkttests. Man sieht, wenn sich jemand Zeit nimmt und an den Details arbeitet. Genauso wie beim Fabian Sixt mit www.goodsundays.com. Das ist in Sachen Fotografie eine starke Nummer und einfach stylisch. Da werden mir die knapp 30.000 Follower vom Fabi sicher recht geben.

GW: Wem folgst du sonst so?
HtR: Also da gibt es eine ganze Menge. Ich folge dem soulgolfer.de, dem alpengolfer.de, in Sachen Regeln Golf Rules und für Allgemeines GOLFMENTOR auf Facebook. Es gibt, wie schon erwähnt, jede Menge Kanäle. Man muss sich nur mal ein wenig Zeit nehmen, dann wird man auch fündig.
Natürlich folge ich auch einer Hand voll internationalen Golfprofis und vor allem den Touren. Da gibt es jede Menge Content und Videos. Wenn das nur nicht so zeitaufwendig wäre, sich das alles reinzuziehen, würde ich den ganzen Tag vorm Lappy sitzen.

GW: Apropos Zeit. Wie aufwendig ist so ein Blog?
HtR: Das kommt ganz darauf an, wie viel Mühe man sich gibt oder geben will. Ich möchte auf der einen Seite kurze knackige Infos präsentieren, auf der anderen Seite richtige Geschichten. Beides braucht eben seine Zeit. Ich glaube, der Follower oder Leser kann ganz gut beurteilen, ob sich jemand Mühe gemacht hat oder einfach nur einen PR-Text wiedergibt oder ein paar Selfies postet.

GW: Werbung ist auch ein spannendes Thema. Einige Accounts scheinen nur noch aus dieser zu bestehen. Wie stehst du zu diesem Phänomen?
HtR: Das ist in der Tat ein spannendes Thema. Nachdem ich mich in letzter Zeit logischerweise viel damit beschäftigt habe, muss ich manchmal echt den Kopf schütteln. Ich weiß nicht, ob man sich als Blogger oder Influencer zum Beispiel einen Gefallen tut, wenn man jeden Tag ein anderes Produkt in die Kamera hält. Wo ist da der Sinn, und vor allem, wo bleibt da die Glaubwürdigkeit? Am Ende des Tages muss das aber jeder selber entscheiden. Auch die Firmen stellen sich da zum Teil leider oft nicht besser an. Dabei bietet Social Media mit all seinen Facetten doch wirklich jede Menge Möglichkeiten, gute Werbung in eigener Sache zu machen.

GW: Zum Beispiel?
HtR: Da fallen mir jetzt ganz spontan die Golfclubs ein. Wenn ich ein Golfclub wäre, würde ich sofort ein Instagram-Profil erstellen. Dann coole Bilder vom Platz und Angebote oder Aktionen dazu präsentieren. Außerdem gibt es zum Beispiel immer wieder tolle Bilder vom Jugendtraining oder Turnieren etc. Na klar muss man sich dafür auch ein paar Minuten hinsetzen. Aber jeder, der über ein gut gestaltetes Golfclub-Profil stolpert und selber Golf spielt, ist doch ein potenzieller Kunde.

GW: Zum Abschluss – wie geht es bei dir jetzt weiter?
HtR: Ich freu mich jetzt erstmal auf das Masters und die neue Saison mit der Golf Week. Denn es macht mir auch großen Spaß, endlich einmal wieder etwas zu echtem Papier zu bringen. Gerade weil ich zuletzt eher digital unterwegs war, genieße ich es jetzt, endlich einmal wieder eine richtige Zeitung in der Hand zu halten. So, und jetzt geht raus und spielt Golf!
GW: Vielen Dank und viel Erfolg.

 


Bildnachweis: Hubertus tho Rahde.

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