Golfen ist für alle gleich geeignet

Golfen ist für alle gleich geeignet

Gerade im Golfsport können Menschen mit und ohne Beeinträchtigung perfekt miteinander ­spielen – quasi ohne Einschränkung.

Ansfelden bei Linz. Die Weltelite der Disabled Golfer gab sich in Ober­österreich von 20. bis 22. September ein Stelldichein bei den „Austrian Disabled Open 2019 powered by BMW Höglinger Denzel und Big Screen“ im Golfclub Stärk Ansfelden. Es handelte sich dabei um die internationalen österreichischen Meisterschaften. Gewonnen haben mit Timo Klischan und Jennifer Sräga  zwei Deutsche. Ein rundum gelungenes Turnier. „Mittlerweile gibt es im Rahmen der Profigolftour in Europa eigene Behindertengolfturniere. Das zeigt, wie sich der Stellenwert unseres Sports in den letzten Jahren erhöht hat“, erzählt Organisator Roland May­er gegenüber Medienvertretern. Seit der Weltrangliste durch die European Disabled GolfAssocia­tion (EDGA) und der R&A hat der internationale Behindertengolfsport eine starke Entwicklung genommen. Österreich gilt dabei als Vorreiter, wie Roland Mayer weiters bekanntgab: „Wir haben immer schon eine Vorreiterrolle bei der Inklusion des Behindertensports eingenommen.

Auch bei diesem Turnier werden nichtbehinderte Golfer gemeinsam mit den Golfern mit Behinderung die Flights bilden. Weil wir hier schon immer eine Brückenbauerfunktion übernommen haben, genießen die österreichischen Meisterschaften innerhalb der EDGA ein sehr hohes Renommee.“ Golf Week hat mit Niki Zitny vom Österreichischen Golfverband gesprochen, um zu ergründen, warum der Golfsport gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen richtig ist.

 

Extrem lässig

Zunächst möchte Niki herausstreichen, wie toll die Austrian Open for Golfers with Disabilities waren: „Es war extrem lässig. Das muss man so sagen. Die Menschen haben einen beeindruckenden Spirit, es war sportlich top. Natürlich war all das abgebildet, was den Golfsport so schön macht. Was mich besonders berührt, ist, wie die Menschen mit ihren Schicksalen umgehen. Sie erreichen unglaubliche sportliche Leistungen.“ Der ÖGV macht auch gar keinen Unterschied zwischen Golfern mit und ohne Beeinträchtigung.

„Theoretisch können im Golfsport Menschen ohne und mit Behinderung bei jedem Turnier zusammen spielen. Lediglich Rolligolfer und Sehbehinderte haben ein wenig andere Regeln. Es ist zwar offensichtlich, dass, wenn jemand bei einen schweren Unfall beide Beine verloren hat, er nicht den gesamten Bewegungsapparat zur Verfügung hat und sich dadurch etwas schwerer tut. Aber ich würde mir nie trauen zu sagen, dass man im Golf ab dieser oder jener Beeinträchtigung eingeschränkt ist. Das sieht man daran, dass Menschen mit einem Arm oder einem Bein den Ball auch sehr weit schlagen können. Das finde ich beeindruckend.“

Förderung

Österreich gilt eben als Vorreiter in Sachen Disabled Golf. Die erste Maßnahme war beispielsweise Inklusion. Der Behindertensport ist im Fachverband integriert. Das ist voll umgesetzt. „Die laufen bei uns mit“, mit der Betonung auf ‚uns‘, also dem Golfverband, sagt Zitny, „es gibt ein eigenes Nationalteam, ein eigenes Budget. Wir machen die Turniere gemeinsam, wie bei Senioren oder der Jugend. Wir entsenden unsere Referees, machen Ausschreibungen und so weiter. Das haben wir alles schon erledigt.“

Auch in Zukunft soll es mehr geben, wie er weiters meint: „Wir entwickeln mit den zuständigen Personen des Behindertennationalteams die speziellen Programme.“ 2018 wurde begonnen, direkt mit den Rehabilitationszentren der AUVA zusammenzuarbeiten. Man will Bewusstsein und Möglichkeiten schaffen. „Wir wollen den Menschen ‚draußen‘ zeigen und beweisen, dass man durchaus mit größeren oder kleineren Beeinträchtigungen mit dem Golfsport beginnen und sich mit anderen messen kann.“

 

Golf kann mehr

Dass Sport im Allgemeinen sehr gesund ist, scheint auf der Hand zu liegen Neben den klassischen Sportarten, die vor allem für Menschen ohne Behinderung entstanden sind, hat sich in den letzten Jahrzehnten viel an Möglichkeiten für Menschen mit verschiedensten Behinderungen ergeben. Es gibt Special-Needs-Fußballteams für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen, Skifahren für Blinde und im Grunde eigentlich fast jede Sportart für Menschen mit welcher Beeinträchtigung auch immer. Wie im Rahmen von Golf und Gesundheit schon öfters angeschnitten, ist Golf eine gute Sportart für jedermann. Schließlich geht es abgesehen vom Abschlag nicht um Laufen wie beim Marathon oder Fußball, eine Golfrunde ist stetig, aber auf einem doch eher niedrigen Energielevel fordernd. Nachdem Golf als Sport bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann, müssen sich ohnehin alle Stakeholder schon eigentlich immer mit Menschen auseinandersetzen, die nicht den durchschnittlichen Bewegungsapparat fitter, junger Menschen haben.

Fünf Klassen

Im Jahr 2000 gegründet, hat die European Disabled Golf Association (EDGA) rund ein Viertel an Mitgliedern außerhalb Europas. Jährlich finden laut Angaben der EDGA 40 Events statt. Grundsätzlich gibt es fünf Klassen, in denen sich die Golfer mit Behinderung messen können: Menschen mit Armbehinderung, Menschen mit Beinbehinderung, jene mit einer visuellen Beeinträchtigung, Querschnittsgelähmte und noch eine weitere Gruppe an Personen, die nicht in diese Klassen fallen. „Es ist wirklich toll, da zuzuschauen. In Linz gab es auch Mitspieler ohne Behinderung. Im Golfsport ist das eigentlich überhaupt kein Thema. Und niemand will eigentlich eine Sonderbehandlung! Man will vom gleichen Tee spielen.“ Dass es international unter Umständen immer ein bisschen dauert, bis sich Dinge durchsetzen, liegt auch wieder auf der Hand. 2018 fand beispielsweise die erste Weltmeisterschaft der sogenannten Rolligolfer statt.

 

Positionierung

Für Golf, das sich allgemein immer wieder gegen Trendsportarten einerseits und ein sich erst langsam wandelndes, angestaubtes Image wehren muss, sind diese Initiativen richtig und wichtig. Sieht man das beim Golfverband auch so? „Auf alle Fälle, es ist eben ein großes Asset des Golfsports, dass man ihn in jedem Alter, in jeder Intensität mit- und gegeneinander spielen kann. Genau diese Türen wollen wir für alle Menschen öffnen. Warum? Weil unser Behindertensportkomitee auch weiß, dass in der Bevölkerung zwischen 20 und 30 Prozent der Menschen eine körperliche Beeinträchtigung haben.“ Da gehöre zwar auch schon eine operierte Hüfte dazu, „aber egal wie man es sieht: Ich behaupte oder weiß eigentlich, dass in den heimischen Golfklubs sicher nicht 20 bis 30 Prozent der Mitglieder eine körperliche Beeinträchtigung haben.“ Zitny folgert daraus, dass es einfach viele Menschen gibt, die gar nicht wissen würden, dass man einen neuen Sport ausprobieren kann oder gleich ausüben. „Mein Ziel als Sportdirektor ist es“, meint er, „dass die Menschen das verstehen – man kann Ziele haben und sich sportlich messen. Das müssen wir den Menschen mitteilen.“

 

Planung

Neben den sportlichen Wettkämpfen soll auch die Kooperation mit den AUVA-Rehabilitationszentren weitergehen. Der Schnuppertag in Tobelbad findet am 23. Oktober statt. „Ich kann nur alle dazu einladen, hinzukommen. Wir kommen mit einem Stationenbetrieb, und die Menschen, die dort nach schweren Unfällen in Rehabilitation sind, können den Golfsport ganz einfach und spielerisch ausprobieren. Wir wollen es den Leuten ein erstes Mal näherbringen.“

Österreich tut viel für Sportler mit Beeinträchtigungen, gerade der Golfsport kann da viel mitbewegen. Die Initiativen des Verbandes zeigen, dass man auf dem richtigen Weg ist, nur muss man es vielleicht dem einen oder anderen noch genauer sagen, wie toll Golf sein kann, auch wenn man vielleicht eben nicht den Bewegungsapparat eines jungen, körperlich gesunden Menschen hat. Golf ist ein Sport, der wirklich für alle da ist!


Bildnachweis: © GEPA Pictures.

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