Fit wie Brooks?

Fit wie Brooks?

Golfen eignet sich als Sport auch für ältere Menschen. Die allgemeine Fitness ist aber wichtig, Tipps vom Laien hingegen sind problematisch.

Die Zeiten, in denen erfolgreiche Profi-Golfer auf höchster Ebene gesetzte ältere Herren sind, sind vorbei. Die Damen und Herren sind durchtrainierte Sportler, gerade von Brooks Koep­ka gibt es beinahe unzählige Fotos, Videos und Aussagen, wie er trainiert – und dabei eher dem Bild eines Athleten entspricht, der Fußball, Basketball oder Ähnliches spielt. Golf ist Sport, nicht auf dem hohen Intensitätslevel von etwa Tennis, aber es wirkt dennoch. Gerade durch den Wegfall von Kontakt oder hoch intensiven Bewegungen über einen längeren Zeitraum ist Golf aber ideal auch für ältere Menschen, sogar mit individuellen Anpassungen auch bei körperlichen Einschränkungen. Astrid Schanbacher, Ärztin und PGA-Golflehrerin von Doktor Golf in Deutschland, meint: „Da akute Effekte körperlicher Aktivität kurzlebig sind und nach Beendigung eines Trainingsprogramms relativ schnell verloren gehen, sollte Aktivität bzw. körperliches Training regelmäßig stattfinden, um chronische Adaptationen zu erzeugen. Dabeibleiben ist wichtig! Es gibt Studien, die zeigen, dass Golf, in der Reha eingesetzt, im Vergleich zu klassischen Therapieformen wie z.B. Physiotherapie schon aufgrund der höheren Dabeibleibe-Wahrscheinlichkeit zu besseren Erfolgen führt!“

Benefits

Sport im Alter ist wichtig, das ist bekannt. Allgemein resümiert Astrid Schanbacher deshalb: „Im Großen und Ganzen denke ich, ist eine gute Lebensqualität das Wichtigste. Dafür notwendig ist nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige ‚Fitness‘. Golf kann hier zum einen unterstützen, indem es direkt Einfluss auf messbare Größen nimmt, wie etwa Blutdruck, Blutzuckerspiegel, Blutfette und Körpergewichtsreduktion; dazu gibt es auch eine Vielzahl von Studien. Doch bin ich mir sicher, dass jeder durch Golf auch durch die Einflüsse wie das Naturerlebnis und die sozialen Kontakte über alle Generationen und Spielstärken hinaus an Lebensqualität gewinnt.“ Schanbacher erklärt, was Golf im Vergleich zu ebenfalls kontaktlosen Sportarten wie Radfahren oder Tennis im Speziellen bewirken kann: „Golf fördert auch den Kopf, es geht um flexibles Denken, nicht nur durch das Spiel und Taktik, sondern zum Beispiel auch über Sozialkontakte. Golf kennt keine Grenzen!“

Kognitive Effekte

Neben dem psychosozialen Wohlbefinden und den kognitiven Aspekten sind zwei weitere Punkte wichtig: Einerseits die Reduktion des Sturzrisikos. Laut Bundesministerium für Gesundheit kann körperliches Training mit Anteilen von multimodalen Bewegungsprogrammen zu einer Senkung des relativen Sturzrisikos um bis zu 42 Prozent führen. Golf erfüllt diese Punkte durch kombinierte Anforderungen aus den Bereichen Kraft, Balance, Flexibilität oder Ausdauer perfekt.

Gegen Osteoporose

Andererseits ist Golf bei Osteoporose gewinnbringend. „Aerobe körperliche Aktivität kann der altersbedingten Reduktion der Knochenmineraldichte bei postmenopausalen Frauen entgegenwirken. Mehrere große prospektive Kohortenstudien zeigen, dass ein hoher Bewegungsumfang, besonders Gehen, das Risiko osteoporosebedingter Frakturen um 30 bis 50 Prozent reduzieren kann.“ Tennis hingegen kann durch Bewegungsabläufe wie beispielsweise abruptes Abbremsen belastend für arthrotisch vorbelastete Gelenke sein. Hinzu kommt: Jedes Kilo zu viel belastet die Gelenke zusätzlich! Im Gegensatz zu Golf weist auch Radfahren ein hohes Verletzungsrisiko durch Stürze auf.

Großer Reiz

Eine ausgedehnte Golfrunde spielt sich im Niedrigenergiebereich ab, aber genau aus diesem Grund ist Golf eine sehr attraktive Sportart für jedes Alter mit wichtigen gesundheitsfördernden Aspekten. Schanbacher hält fest: „Golf führt sicher nicht zur Verbesserung der Maximalkraft, jedoch erfüllt es alle Kriterien der ‚Bewegungsempfehlungen für den älteren Menschen‘ des Bundesministeriums für Gesundheit.“ Gerade bei Erkrankungen, die sich im Alter häufen, hilft Golfen, etwa bei Adipositas oder Arthrose, weil es eben nicht hoch intensiv ist. Studien belegen, dass Golf zu einer signifikanten Verbesserung der allgemeinen Ausdauer, der Rumpf- und Rückenmuskulatur, des Körpergewichts sowie des Cholesterinspiegels beiträgt. Ein Hintergrund ist eben auch, dass man beim Golfen durch den Wegfall von Kontakt ausschließlich selbst beeinflussen kann, was passiert: „Die eigene Prophylaxe hat einen gro­ßen Einfluss auf das Unfallrisiko. Der Golfer kann sich selber gut und individuell schützen, durch eine geeignete Golftechnik, ein geeignetes Aufwärmprogramm, aber auch schon durch den richtigen Trolley und ein passendes Ausmaß des Trainingsumfangs. Bei Kontaktsportarten hängen Unfälle häufig auch vom Gegenspieler ab, beispielsweise von unterschiedlicher körperlicher Fitness oder unterschiedlichem Technikstand.“

Problematiken

Allerdings ist es wichtig, festzuhalten, dass der Sport richtig ausgeübt wird. Astrid Schanbacher führt Risikopunkte an, etwa „schlechte“, überlastende bzw. nicht individuell auf die Gegebenheiten des Golfers angepasste Golftechnik. Auch die Intensität des Trainings sollte an die körperliche Fitness des Golfers angepasst werden. So ist es manchmal besser, neun anstatt 18 Löchern zu spielen. Vielleicht kann es so erreicht werden, dass der Spieler die Runde wieder läuft, anstatt mit dem Buggy zu fahren. Auch die bewusste Aufteilung von Training des kurzen versus des langen Spiels kann gesundheitsfördernd sein. Manchmal ist sogar das Spielen auf dem Platz dem Training auf der Drivingrange vorzuziehen, da das Verhältnis zwischen Schlag­intensität und den zusätzlichen positiven Effekten auf dem Platz dem Golfer mehr Gesundheitsgewinn bringt. Außerdem führt ein gezieltes kurzes Aufwärmtraining zur Senkung des Verletzungsrisikos. Was für Brooks Koep­ka selbstverständlich ist, sollte auch in den Amateursport Einzug halten: „Jedes Training beginnt mit dem Aufwärmen!“

Die richtigen Tipps

Enorm wichtig ist prophylaktisch, aber auch bei schon bestehenden Beschwerden ein individueller Golfschwung. „Gut gemeinte Tipps vom ‚Laien‘, sind mit Vorsicht zu genießen, da die Beschwerden des Golfers immer sehr individuell zu betrachten sind und der Golfschwung sehr komplex ist. Daher kann eine vermeintliche Schonung im Ganzen betrachtet zu höheren Belastungen führen.“ Wer beispielsweise länger nicht gegolft hat oder erst spät im Alter damit anfängt, sollte also den Gang zum Experten nicht scheuen, damit die positiven Effekte auch tatsächlich eintreten. Es gibt viele Studien, die sich mit Golfern mit Rückenbeschwerden befassen. Diese kommen unter anderem zu dem Schluss, dass eine Verbesserung der Rumpfstabilität und die Rotationsfähigkeit in den Hüften neben der Golftechnik wichtig sind, um ohne Rückenschmerzen Golf spielen zu können. „Für ältere Erwachsene wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, spezifische altersbedingte Risiken zu berücksichtigen. So erfordern z. B. alternsabhängige Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung oder eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit sowie mögliche bestehende Vorerkrankungen eine individuelle Anpassung im Hinblick auf die Art und die Dosis der körperlichen Aktivität. Älteren Erwachsenen, insbesondere bislang inaktiven Personen sowie Personen mit bestehenden Erkrankungen, wird empfohlen, vor der Aufnahme eines Trainings einen Gesundheitsexperten zu konsultieren.“

Weitere Aspekte

Aus Sicht der Medizinerin sind es zudem die sozialen Aspekte, die den Golfsport so ideal auch für ältere Menschen machen. Aus mehreren Gründen: „Golf ist aus meiner Sicht eine grandiose Sportart, da das Golfen sowohl generations- wie auch Hdc-übergreifend und individuell anpassbar ausgeübt werden kann! Selbst bei oder nach Erkrankungen gibt es immer einen Weg zurück auf den Golfplatz!“ Für Astrid Schanbacher ist das vielleicht einer der wichtigsten Aspekte von Golf.

Fit sein!

Aus medizinischer Sicht wirkt Golf also ziemlich perfekt auf den Körper, gerade in Zeiten, in denen Ganzheitlichkeit ein immer größeres Thema wird. Zu beachten ist, dass man sich – wie Brooks Koepka – allgemein fit hält und sich nicht scheut, mit Experten zu sprechen, ob man alles richtig macht. Das Resümee: „Aus den vorliegenden Quellempfehlungen lässt sich ableiten, dass bei älteren Erwachsenen der allgemeine Nutzen körperlicher Aktivität erheblich höher ist als die Risiken!“


Bildnachweis: Gepa Pictures.

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