Die neuen Regeln

Die neuen Regeln

Ab Anfang 2019 wird rund um den Globus nach neuem Regelwerk gegolft. Damit soll das Golfspiel rascher, simpler und leichter erlernbar werden.

Nach jahrelangen umfassenden Vorbereitungen entschlossen sich der R&A (Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews) und USGA (United States Golf Association), 2017 vereinfachte Golfregeln vorzuschlagen. Bei dieser grundlegenden Regeländerung wurden die Entwürfe dafür erstmals nicht ausschließlich hinter verschlossenen Türen behandelt, sondern Verbänden und Clubs, aber auch der Öffentlichkeit zur Diskussion präsentiert. Online gab es monatelang die Möglichkeit, die Details einzusehen und Meinungen abzugeben. Das so gesammelte Feedback wurde im Herbst 2017 analysiert und aufgenommen. Ab 1.1.2019 treten die neuen Regeln nun effektiv weltweit in Kraft.

Runderneuert

Die ersten geschriebenen Golfregeln aus dem Jahr 1744 wurden zwar bereits einige Male überarbeitet, wesentliche Elemente wie die Reihenfolge beim Spiel oder Strafschläge für verlorene Bälle blieben aber bis dato gleich. Egal ob bei einer schnellen Runde unter Freunden nach Feierabend oder beim ältesten Turnier der Welt, The Open – diese Regeln werden  ohne Unterschied angewandt. Grundsätzlich gilt „Spiele den Ball, wie er liegt, spiele den Platz, wie du ihn vorfindest, und wenn beides nicht möglich ist, tu, was fair ist“. Aber um zu tun, was fair ist, muss man die Regularien kennen und sich ändernden Voraussetzungen anpassen. So umfassen die Überarbeitungen auch Themen wie Entfernungsmessgeräte, Ausrüstungselemente oder Mobiltelefone.

Moderne & Prinzipien

„Unser Ziel ist es, die Golfregeln leichter verständlich und für jeden Golfer besser anwendbar zu machen. Wir haben uns jede einzelne Regel angesehen, wie wir sie intuitiver und direkter machen können und viele Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert. Die Regeln müssen zum modernen Golfspiel passen, ohne die Prinzipien und den Charakter des Spiels zu verändern“, erläuterte David Rickman von R&A die Motive für die Anpassungen. Nicht nur die Reduktion auf 24 statt 34 Regeln, sondern auch das Ersetzen des hunderte Seiten starken „Decisions Book“ durch ein etwas schlankeres Handbuch ist die gelungene Konsequenz dieses Gedankens und ein klares Signal.

Hier einige Facts aus dem Buch Golfregeln kompakt: Yves C. Ton-That, deutsche Version, illustriert anhand konkreter Spielsituationen und dem Spielverlauf entsprechend, plastifiziert und spiralisiert (ISBN 978-3-906852-14-0):

(Eine übersichtliche und informative Zusammenfassung der neuen Golfregeln von Yves C. Ton-That findet sich zudem auf der Webseite expertgolf.com und auf youtube unter Expertgolf / neue Golfregeln)

Suchzeit (Regel 18):
ALT: 5 Minuten Suchzeit für einen verlorenen Ball.
NEU: 3 Minuten Suchzeit.
-> Die meisten Bälle wurden bereits bisher innerhalb von drei Minuten gefunden – insofern sollte sich diese Regeländerung nicht negativ auf Scores auswirken wird. Nach drei Minuten gilt der Ball nun als offiziell verloren, auch wenn nicht genau auf die Uhr geschaut wird.

Ball beim Suchen bewegt (Regel 7):
ALT: Ein Strafschlag, wenn der Ball beim Suchen versehentlich bewegt wird.
NEU: Keine Strafe.
-> Nun kann man bei der Suche im dichten Gras Füße und Schläger zu Hilfe nehmen.

Droppen (Regel 14):
ALT: Bisher musste aus Schulterhöhe gedroppt werden.
NEU: Es muss auf Kniehöhe gedroppt werden.
-> Falls aus Gewohnheit aus Schulterhöhe gedroppt wird: Einfach Ball aufnehmen und straflos erneut droppen.

Treffen der Fahnenstange (Regel 13):
ALT: Fahne musste bedient oder entfernt werden, da sie beim Putten nicht getroffen werden durfte.
NEU: Treffen der Fahnenstange ist straflos, die Fahne darf immer im Loch bleiben.
-> Statistisch ist es besser, die Fahne stets im Loch zu lassen, da die Fahnenstange das Einlochen des Balls begünstigt.

Provisorischer Ball (Regel 18)
ALT: Nicht mehr als 45m nach vorne gehen um den ersten Ball zu suchen.
NEU: Provisorischen Ball spielen ist nach dem Suchen des ersten Balles erlaubt.
-> 3 Minuten Suchzeit sind dennoch kurz, um den ersten Ball zu finden, in praktischer Anwendung also kaum ein Unterschied.

Eingebetteter Ball (Regel 16):
ALT: Nur Erleichterung möglich wenn sich der Ball auf kurzgemähter Rasenfläche eingebohrt hat.
NEU: Überall darf straflos gedroppt werden, auch im Semirough und Rough
-> Eingebohrte Bälle im Bunker oder in Penalty Areas müssen nach wie vor gespielt werden, wie sie liegen.

Distanzmessgeräte (Regel 4):
ALT: Nur gestattet, wenn durch Platzregel ausdrücklich erlaubt.
NEU: Distanzmessgeräte dürfen verwendet werden, außer eine Platzregel verbietet das.

Falsches Grün (Regel 13):
ALT: Von einem falschen Grün darf nicht gespielt werden, auf dem Grün darf aber gestanden werden.
NEU: Es muss auch straflos gedroppt werden, wenn sich der Stand auf dem falschen Grün befindet.
-> das falsche Grün kommt gar nicht ins Spiel.

Ball trifft Spieler oder Ausrüstung (Regel 11):
ALT: Ein Strafschlag wenn man sich selbst oder die eigene Ausrüstung trifft.
NEU: Straflos, so ferne es sich um ein Versehen handelt
-> Ausrüstung oder Fuß dürfen also weiterhin nicht als Ballstopper verwendet werden.

Doppelschlag (Regel 10):
ALT: Ein Strafschlag für Hängen bleiben und Ball mehrmals treffen.
NEU: Straffrei

Sandberührung im Bunker (Regel 12):
ALT: Kein Berühren des Bunkersandes vor dem Schlag.
NEU: Beiläufiges Berühren ist erlaubt (Aufstützen auf dem Schläger etc.). Prüfung der Sandbeschaffenheit oder Verbesserung der Spiellinie und Probeschwünge mit Sandberührung bleiben strafbar.
-> Einfacheres Handling im Bunker, besonders wenn sich der Ball nicht in der Nähe befindet.

Lose Naturstoffe (Regel 15):
ALT: Blätter, Zweige, Steine, Äste und andere lose Naturstoffe in Bunkern und Wasserhindernissen mussten liegen bleiben.
NEU: Diese Dinge dürfen straflos entfernt werden-
-> Der Ball darf sich dabei nicht bewegen.

Unspielbarer Ball im Bunker (Regel 19):
ALT: Drei Optionen zum Droppen, jeweils mit einem Strafschlag
NEU: Es kann auch hinter dem Bunker mit zwei Strafschlägen gedroppt werden.
-> Theoretisch keine Bunkerschläge mehr notwendig, aber zweifelhaft ob sinnvoll.

Penalty Areas (Erklärung):
ALT: Wasserhindernisse müssen Wasser enthalten.
NEU: Wasserhindernisse heißen Penalty Areas und müssen kein Wasser enthalten.
-> Clubs können auch andere Flächen als Penalty Area markieren,, damit seitlich gedroppt und das Spiel beschleunigt werden kann.

Droppmöglichkeiten bei Penalty Areas (Regel 17):
ALT: Bei seitlichem Wasserhindernis konnte auf der gegenüberliegenden Seite des Kreuzungspunktes (Ball/Wasserhindernis) gedroppt werden.
NEU: Seitliches Wasserhindernis heisst rotes Penalty Area, Dropmöglichkeit wurde aufgehoben.
-> Diese Variante wurde kaum genutzt und führte oft zu Verwirrung.

Boden- und Wasserberührung in Penalty Areas (Regel 17):
ALT: Beim Spielen aus einem Wasserhindernis durfte der Boden und das Wasser vor dem Schlag nicht berührt werden.
NEU: Schläger darf am Boden oder Wasser aufgesetzt werden.
-> Trotzdem ist es nicht ratsam einen Ball aus dem Wasser zu spielen, wenn er nahezu vollständig bedeckt ist.

Ball bewegt sich auf Grün nach Markieren und Zurücklegen (Regel 13):
ALT: Ball von der neuen Stelle spielen.
NEU: Ball muss zurückgelegt werden auf die ursprüngliche Stelle.
-> Reflexartig, aber fälschlicherweise bereits bis dato oft so gehandhabt.

Ball auf Grün aus Versehen durch Spieler bewegt (Regel 13):<
ALT: Versehentliches Bewegen des Balles auf dem Grün nur in Ausnahmefällen straflos.
NEU: Immer straflos.
-> Probeschwung zu nah am Ball o.ä. bleibt staflos.

Schäden auf Grün ausbessern (Regel 13):
ALT: Bisher durfte die Puttlinie bis auf wenige Ausnahmen wie z. B. Pitchmarks oder alte Lochpfropfen nicht verbessert werden.
NEU: Alle Beschädigungen auf dem Grün dürfen ausgebessert werden, insbesondere auch Spikemarken.
-> Ganze Puttlinien sollten dennoch nicht geglättet werden – natürliche Unregelmässigkeiten gehören zum Spiel.

Ball an Fahnenstange eingeklemmt (Regel 13):
ALT: Fahne musste entfernt werden, damit der Ball ins Loch fällt.
NEU: Ball gilt als eingelocht, wenn ein Teil des Balls unterhalb der Lochkante ist.

Keinen Schläger ablegen um sich auszurichten (Regel 10):
ALT: z.B. Putter auf dem Grün ablegen um sich auszurichten.
NEU: Kein Schläger darf für Ausrichtung abgelegt werden.
-> Gilt auch für andere Objekte, die bei der Ausrichtung helfen könnten.

Keine Hilfe durch Caddie beim Ausrichten (Regel 10):
ALT: Caddie durfte den Spieler für den Putt ausrichten.
NEU: Nicht mehr gestattet.
-> gilt vorwiegend für Profis.

Schlägerlänge (Erklärung):
ALT: Zum Abmessen einer Schlägerlänge durfte ein beliebiger Schläger verwendet werden.
NEU: Der längste Schläger im Bag gilt, ausgenommen Putter.
-> Keine Belly- oder längere Putter gelten mehr

Ball identifizieren (Regel 7):
ALT: MitspielerIn musste informiert werden bevor ein Ball zum Identifizieren aufgenommen wird.
NEU: Keine Informationspflicht
-> Zur Vermeidung von Missverständnissen eventuell trotzdem gut, zu informieren

Tierlöcher (Regel 16):
ALT: Nur Löcher von Erdgängen grabenden Tieren gelten für Erleichterung.
NEU: Alle Tiere gelten (außer Insekten und Würmer).
-> explizit geht es um Maulwurfshügel und Mäuselöcher.

QUELLE: expertgolf.com


Bildnachweis: Getty Images.

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