Achtung vor China

Achtung vor China

Anbieter aus Fernost bieten ähnliche oder auch gleiche Produkte an wie lokale Firmen. Das stellt Produzenten vor Probleme.

Wer Golfequipment braucht, sollte eine gut gefüllte Geldtasche haben. Was aber, wenn es so manches Produkt in ähnlicher Qualität um einen Bruchteil des Preises gibt? Man nehme das Beispiel des Rangefinders, etwa vom Tophersteller Bushnell. Ein Rangefinder kostet in gängigen Onlineshops um die 300 Euro. Vergleichbare Produkte aus China gibt es um deutlich unter 100 Euro. Selbst mit Steuern und Zoll steigt der Endkunde hier billiger aus und die Qualitätsunterschiede werden für den, der ab und an Golfen geht, auch nicht relevant sein. Denn der Kos­tendruck macht auch vor Golf nicht Halt. Stakeholder wollen bedient werden und in Europa ist vor allem eines teuer: die Arbeitsstunde des Menschen. China ist in dieser Hinsicht billiger, zudem ist der Markt größer. Höhere Stückzahlen eines Produktes drücken den Einzelpreis.

Man kennt es etwa von den Smartphones – die von Apple sind bekanntlich sehr teuer. Wer sich fragt, warum Telefone von Huawei oder Xiaomi um einen Bruchteil des Preises fast dasselbe können, wird in China fündig. Denn neben Apple lassen oder ließen bekannte westliche Marken aus Kostengründen bei der Firma Foxconn in Taiwan produzieren. Damit sinken aber nicht nur Kos­ten, sondern auch das Wissen wird nach Fernost transferiert.

Plagiate

Bei chinesischen Firmen, diese Informationen liegen Golf Week vor, können dann Markenprodukte aus Europa oder den USA geordert werden – um einen Bruchteil der Kosten, zum Teil sogar als tatsächliches Plagiat, also mit „echtem“ Logo. Das Brisante an der Story ist, dass hier – wie etwa im Technikbereich – durch den Wissenstransfer nicht einmal schlechte Nachbauten angeboten werden, sondern tatsächlich in etwa dieselben Produkte.

Service?!

Wer sich generell vom Preis verleiten lässt, wird aber in einem Punkt aufpassen müssen: Was ist, wenn etwas kaputt wird? Denn während europäische Firmen mit dem höheren Preis auch Service und Reparaturen anbieten, wird das schwierig, wenn Produkte via Internet aus China geordert werden. Die Kommunikation mit lokalen Herstellern ist leichter als mit China. Da muss sich der Endkunde bewusst sein, dass man diese Sachen meistens wegwerfen kann, weil die Kosten für Ein- und Retourschicken den tatsächlichen Kaufpreis oftmals übersteigen.

Nachbauten

Legendär und exemplarisch gleichzeitig ist der Fall JuCad bzw. TiCad. 1988 designte Jörg Jung mittels seiner Diplomarbeit für das Familienunternehmen den laut Eigenangaben „ersten Design-Elektrocaddy aus Edelstahl, mit nicht-sichtbaren, in die Achse integrierten Kabeln und Motoren“. Etwa zur selben Zeit baute TiCad oder, um genauer zu sein, Firmengründer Ludwig Hentschel 1989 einen Caddy aus Titan. Diese Produkte wurden in den letzten Jahrzehnten oftmals kopiert. Beide Firmen sind im Luxussegment und gelten als die Erfinder der Trolleys und vermarkten sich entsprechend, nur eben mit leicht verschiedenem Ansatz und mittlerweile nicht mehr eruierbaren Differenzen. So heißt es einerseits heute „JuCad – Das Original“ und andererseits „TiCad – a perfect Trolley“. Kopiert werden beide logischerweise seit der Markteinführung dutzendfach. Die Luxusmarken gibt es vor allem auch aus China zu einem Bruchteil des Preises – es illustriert ganz gut, wie der Hase mit Nachbauten läuft.

Überlegt euch was

An dieser Situation wird sich zukünftig wenig ändern – die Hersteller aus Europa und den USA werden sich etwas einfallen lassen müssen, ob sie das nun wollen oder nicht.
Wer bei Wish oder Alibaba (billige) Produkte kauft, weiß einfach nicht, ob er Originale, Nachbauten oder gar Plagiate bekommt. Billiger sind sie oft. Wer sich sicher sein will, kein gefälschtes Produkt zu kaufen, bei einer Reklamation einen Ansprechpartner zu haben oder auf die weltweite Garantie sowie die entsprechende, zertifizierte Qualität, die versprochen wird, Wert legt, möge beim Händler seines Vertrauens einkaufen.


Bildnachweis: GEPA Pictures.

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